Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler in Bayreuth

Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler in Bayreuth bereichert und ist hilfreich für die Berufswahl

 

„Ich bin froh, dass es so was gibt“, sagt Hannelore Kraus, Bewohnerin der Caritas-Hausgemeinschaften für Senioren St. Elisabeth in Hollfeld. Gemeint ist das Freiwillige Soziale Jahr für Schüler. In dessen Rahmen helfen Schülerinnen und Schüler während eines Schuljahres zwei Stunden pro Woche ehrenamtlich in einer sozialen Einrichtung.

 

Singen, Einkaufen, Spazierengehen, Spielen, Basteln – solche Tätigkeiten stehen auf dem Programm, wenn die Schülerinnen zu den Senioren kommen. Oder anders ausgedrückt: Die Jugendlichen unterstützen die Ergotherapeuten der Caritas-Hausgemeinschaften für Senioren St. Elisabeth. „Nur zusammen mit den Schülerinnen kann ich nachmittags den Hausbewohnern etwas Aufwendigeres anbieten, Grillen etwa oder einen Besuch in der Eisdiele“, berichtet Ergotherapeutin Tina Färber. Nachmittags sind nämlich ihre beiden Kolleginnen nicht da, weil sie halbtags arbeiten.

 

Tina Färber ist die Ansprechpartnerin für die Schülerinnen, die in den Caritas-Hausgemeinschaften für Senioren ihren Freiwilligendienst leisten. Beim Freiwilligen Sozialen Jahr für Schüler ist dies Standard: Jeder Jugendliche habe einen festen Betreuer, betont Monika Prauka, die Leiterin des Freiwilligen-Zentrums Bayreuth. Und ihre Kollegin Ingeborg Thiem bestätigt, dass die Schüler erst eingearbeitet werden müssen. Und dies verlange den Einrichtungen auch einiges an Aufwand ab: „Aber noch hat keine Einrichtung, die wir nach Einsatzstellen für die Schüler angefragt haben, abgesagt.“

 

Das Freiwilligen-Zentrum vermittelt in der Stadt und im Landkreis Bayreuth die Jugendlichen in die sozialen Einrichtungen. 59 junge Menschen absolvieren in diesem Schuljahr ein Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler – in Kindergärten, Seniorenheimen, beim Malteser Hilfsdienst, in einer öffentlichen Bücherei oder bei der Pegnitzer Tafel. Gedacht ist das Angebot für Schüler ab der 9. Klasse der Haupt-, Real- und Wirtschaftsschulen sowie der Gymnasien. In Hollfeld kommen die 15-16-Jährigen vor allem aus der Gesamtschule.

 

Die überwiegende Mehrzahl der Freiwilligen sind Mädchen. Nur 4 Jungen sind dieses Schuljahr dabei. Damit unterscheiden sich die Jugendlichen aber nicht vom Gesamtbild. „Männer sind auch bei den Älteren im sozialen Bereich Mangelware“, sagt Ingeborg Rehm. Männer engagierten sich eher in Sport- oder Schützenvereinen oder bei der Feuerwehr.

 

Im Bayreuther Projekt leisten die jungen Leute 50 ehrenamtliche Stunden im Schuljahr. Darin unterscheidet sich das Bayreuther Projekt von ähnlichen Angeboten, etwa der Caritas-Freiwilligenzentren „mach mit!“ in Neustadt/Aisch oder CariThek in Bamberg, die mehr Stunden verlangen. „Zeiten, in denen die Schüler sehr angespannt sind, etwa vor Zeugnissen, sparen wir aus“, sagt Monika Prauka. „Und die Ferien sollten der Erholung dienen.“

 

Ein Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler machen zum einen Jugendliche, die gerne mit Kindern umgehen oder zu Senioren schnell Zugang finden. „Schön ist die Dankbarkeit, wenn man beim Einkauf oder beim Aufräumen hilft“, sagt die Neuntklässlerin Madeleine. Die Ergotherapeutin Tina Färber bestätigt dies von der anderen Seite her: „Für unsere Bewohner ist der Umgang mit den jungen Leuten wunderbar. Besonders die Demenzkranken sind dafür sehr dankbar.“ „Und es wird auch mal Blödsinn gemacht“, freut sich Hannelore Kraus. Aus ihrer Erfahrung – seit drei Jahren gibt es das Bayreuther Projekt – weiß Monika Prauka: „Viele Schüler halten auch nach dem Freiwilligen Jahr den Kontakt zu den Senioren.“

 

Eine andere Motivation besteht in der Chance, ein Berufsfeld kennenzulernen. Madeleine etwa würde Ergotherapie gefallen. Jana Arnold, die kurz vor dem Realschulabschluss steht und ihr Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler bereits abgeleistet hat, wird im September in den Caritas-Hausgemeinschaften für Senioren St. Elisabeth die Altenpflegeausbildung beginnen. Der gleichaltrige Frank Zitzmann schwankt noch zwischen Alten- und Krankenpfleger. „Ich wollte schauen, ob ich das überhaupt kann“, begründet er sein Engagement.

 

Einrichtungsleiter Otto Rost warnt allerdings vor übertriebenen Erwartungen: „Wir können nicht jedem Jugendlichen, der bei uns ehrenamtlich aktiv wird, eine Ausbildung anbieten. Soviel Ausbildungsplätze haben wir bei weitem nicht.“

 

Trotzdem ist der Einsatz auch in beruflicher Hinsicht nicht vergeblich. „Ich kann sehen, wie die Jugendlichen durch die Tätigkeit selbständiger werden“, sagt Tina Färber. Bei einer Bewerbung, weiß Monika Prauka, könne bei gleicher schulischer Qualifikation das Freiwillige Soziale Jahr durchaus den Ausschlag geben. Daher erhalten die Schüler am Ende ihres Einsatzes von der Einrichtung eine Beurteilung ihrer sozialen Kompetenzen. Und das Freiwilligen-Zentrum stellt ein Zertifikat aus, das der Landrat oder der Oberbürgermeister bei einer Feierstunde den Jugendlichen überreicht.

 

 

Klaus-Stefan Krieger

 

 

Kontakt:

Freiwilligen-Zentrum Bayreuth

Am Schloßberglein 4

95444 Bayreuth

Tel. (0921) 51 41 16

Fax (0921) 50 70 93 80

E-Mail: fwz.bayreuth(at)t-online.de.

Homepage: www.freiwilligen-zentrum-bayreuth.de

 

Foto:

Hannelore Kraus (sitzend) fühlt sich sichtlich wohl im Kreis der Jugendlichen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler in einem Kindergarten oder - angeleitet von der Ergotherapeutin Tina Färber (2. v. links) - in den Caritas-Hausgemeinschaften für Senioren St. Elisabeth absolvieren.

Foto: Caritas