Generationsübergreifender Freiwilligendienst: Talente in der Freizeit sinnvoll einsetzen

 

Immer mehr Menschen sind bereit, freiwillig soziale Verantwortung zu übernehmen und suchen dafür Einsatzgebiete, bei denen sie ihre Lebenserfahrung, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen einbringen können. Die „Generationsübergreifenden Freiwilligendienste“ (GFD), ein vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugendliche gefördertes Modellprogramm des Deutschen Caritasverbandes, unterstützen diese Bewegung. In Bamberg sind zurzeit 13 engagierte Menschen ab 26 Jahren für das Projekt tätig.

 

„Der Ruhestand hat mich früher ereilt, als ich mir das gewünscht hatte“, berichtet Franz Z. Weil er seine Zeit nicht mit „Daumendrehen“ verbringen will, hat er sich zum Freiwilligendienst gemeldet. Mit dem in vielen Berufsjahren erworbenen Wissen und mit seinen sozialen Kompetenzen unterstützt er arbeitslose Jugendliche bei der Stellensuche. „Er hilft mir bei den Bewerbungsunterlagen und übt mit mir Vorstellungsgespräche. Jetzt habe ich nicht mehr so viel Angst und bin optimistisch, dass es bald mit einer Stelle klappt“, berichtet einer der Schützlinge.

 

Die 32-jährige Sozialpädagogin Tanja K., die sich zurzeit in Elternzeit befindet, ist ein Sprachtalent. Sie kümmert sich deshalb gern um ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Es wird so viel über die Integration von Ausländern gesprochen – Frau K. tut aktiv etwas dafür. Sie unterstützt uns unbürokratisch und hilft uns, hier heimisch zu werden“, lobt ein türkischer Familienvater.

 

Der 48-jährige Georg F., der sich lange um seine kranke Mutter gekümmert hatte, ist seit ihrem Tod in einem Seniorenheim tätig. „Er kann sich gut in andere Menschen hineinversetzen und macht unseren Alltag ein wenig bunter“, freuen sich die Bewohner. Sie können dank seiner Unterstützung manches unternehmen, das sonst nicht möglich wäre.

 

Drei Beispiele, wie im Rahmen des GFD-Projekts Erfahrungen über unterschiedliche und neue Formen von Freiwilligendiensten im sozialen, kulturellen, ökologischen oder kirchlichen Bereich gesammelt werden. Die Einsätze sind zeitlich begrenzt und betragen zwischen 20 Wochenstunden innerhalb von drei bis maximal 24 Monaten. Sie können auch auf die Hälfte reduziert werden. Angesprochen sind alle Personen über 26 Jahre, besonders Vor-Ruheständler, Arbeitssuchende, Migranten, Studenten und Personen im Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Der Einsatz bedeutet in keinem Fall eine Konkurrenz zu regulären Arbeitsplätzen.

 

„Immer mehr Menschen entschließen sich, arbeitsfreie Lebensabschnitte durch sinnvolles Engagement zu gestalten“, weiß Peter Grau, der das GFD-Projekt im Bamberger Freiwilligenzentrum CariThek verantwortet und drei weitere GFD-Beratungsstellen in Bayreuth, Forchheim und Neustadt an der Aisch koordiniert. Nicht selten berichten die „Freiwilligen“, wie zufrieden es sie macht, wenn sie ihre Talente und Fähigkeiten zum Wohl anderer einsetzen können. Manche möchten sich auch in einem Feld engagieren, zu dem sie sonst nur schwer Zugang finden würden. „Ob man die in der Ausbildung erworbenen Kompetenzen üben, Erfahrungen für neue Berufstätigkeit sammeln, die Netzwerke einer Einsatzstelle nutzen oder den Freiwilligendienst als Chance für seine persönliche Weiterentwicklung sieht – je nach Interesse kann jeder das Passende finden“, versichert Grau. Er verweist dazu auf Familienhilfe, Kinderbetreuung, Schule, Pflege- und Betreuungsdienste, Integrationsangebote für ausländische Mitbürger, Altenhilfe, Hospizbewegung, Welt-Läden, Bildungsstätten, Sportvereine und Museen als mögliche Einsatzstellen.

 

Durch praktische Erfahrungen mit kompetenter Begleitung und bei Fortbildungsmaßnahmen gewinnen die Freiwilligen Einblick in soziale Arbeit. Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung, am Ende gibt es ein Zertifikat. „Wir bemühen uns, den Freiwilligendienst so flexibel wie möglich zu gestalten und in die individuelle Lebensplanung einzupassen. Dabei gehen wir natürlich besonders auf die Interessen, Notwendigkeiten und Bedürfnisse im Raum Bamberg ein, um die soziale Lebensqualität zu steigern. Dank GFD können wir Angebote machen, die es sonst nicht gäbe“, betont Peter Grau.

Renate Steinhorst

 

Kontakt:

CariThek,

Obere Königstr. 4 a,

96052 Bamberg,

Tel. (0951) 8604-140, u. (0951) 86 04-110 (Hr. Grau),

E-Mail: carithek(at)caritas-bamberg.de,

Internet: www.carithek.de

 

Caritasverband Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch-Bad WindsheimAnsbacher Str. 6,

91413 Neustadt/Aisch,

Tel. (09161) 88 89 16 (Fr. Wunderlich),

E-Mail: info(at)caritas-nea.de,

Internet: www.caritas-nea.de

 

Freiwilligenzentrum Bayreuth,

Schloßberglein 4,

95444 Bayreuth,

Tel. (0921) 50809380,

E-Mail: fwz.bayreuth(at)t-online.de,

Internet: www.freiwilligen-zentrum-bayreuth.de

 

Caritasverband Forchheim,

Untere Kellerstr. 52,

91301 Forcheim,

Tel. (09191) 6256826,

E-Mail: info(at)caritas-forchheim.de