Seine Arbeit ist Gold wert

 

 

Frührentner Georg Montag packt im Altenheim an, wo er gebraucht wird

 

„Schmerzen hin, Schmerzen her - Untätigkeit ist nichts für mich. Man kann doch nicht den ganzen Tag lesen, fernsehen, Kreuzworträtsel lösen, oder in der Kneipe sitzen“, sagt Georg Montag voll Überzeugung.

 

Der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker war viele Jahre mit großem Engagement als Baumaschinenführer und Baggerfahrer tätig gewesen. Nach einem schweren Arbeitsunfall konnte er jedoch seinen Beruf nicht mehr ausüben. Das Nichtstun aber hatte den 44jährigen Frührentner sehr unzufrieden gemacht. Deshalb suchte er sich in der CariThek, der Ehrenamtsbörse der Caritas im Deutschen Haus, einen unbezahlten Job. „Ruckzuck ist das gegangen“, berichtet er. „Weil ich in der Landwirtschaft aufgewachsen bin, wollte ich auf jeden Fall etwas Handwerkliches machen. Da konnte man mir schnell das Richtige anbieten. Dann hatte ich ein Vorstellungsgespräch mit dem Leiter des Alten- und Pflegeheims St. Walburga – denn die Chemie muss ja schließlich auch stimmen – und habe sofort angefangen.“

 

„Die Arbeit hier gefällt mir nicht nur, sie tut mir auch gut, weil ich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun. Ich übernehme leichte Gartenarbeiten wie Rasenmähen, Unkrautjäten, Gießen, Rosen schneiden, versorge die Truthenne und ihre Küken, mache kleine Reparaturen und helfe dem Hausmeister, der viel um die Ohren hat und sich über Unterstützung freut. Auch mit dem übrigen Personal verstehe ich mich gut.“

 

Sehr befriedigend ist es für Georg Montag auch, mit den alten Menschen zu reden. „Freilich muss man sich erst herantasten, um die verschiedenen Charaktere kennen zu lernen“, weiß der Helfer. „Aber dann bekommt man interessante Geschichten von früher zu hören, und spürt, wie froh es die Heimbewohner macht, wenn sie sich unterhalten können oder wenn man mal ein bisschen Gaudi mit ihnen macht. Ich bringe sie mit dem Rollstuhl zum Essen oder zur Therapie. Und manchmal sagen sie mir auch was Nettes, denn sie respektieren und schätzen es sehr, wenn sich jemand ehrenamtlich für sie einsetzt.“ Feste Arbeitszeiten gibt es für den Gärtner aus Liebe nicht, er kommt, so oft er kann. Wenn der Rücken arg schmerzt, muss er allerdings auch mal absagen.

 

Dem malerischen Garten mit Blick auf die Türme von St.Michael kommt die liebevolle Fürsorge des ehrenamtlichen Helfers sichtbar zugute – alles wächst und gedeiht. Angenehmer Nebeneffekt für Georg Montag: Er muss sein Essen nicht mehr allein einnehmen, weil er an Arbeitstagen im Walburgisheim eingeladen ist. „Das wusste ich gar nicht, als ich hier angefangen habe“, berichtet er, „aber das ist natürlich prima, der Speiseplan ist einwandfrei.“

 

Wie sehr die ehrenamtliche Tätigkeit des „guten Geistes“ im Walburgisheim geschätzt wird, bringt Heimleiter Rudolf Reinwald zum Ausdruck: „Die Arbeit von Herrn Montag ist Gold wert. Für uns ist das die beste Gelegenheit, zusätzliche Ideen zu realisieren, die wir sonst gar nicht oder nur sehr schwer umsetzen könnten. Als wichtiger Teil des Lebensraums unserer Bewohner bietet der Garten ein therapeutisches Milieu und muss entsprechend gepflegt werden. Aber auch persönliche Begegnung, Zuwendung und Gespräche sind für unsere 80 Bewohner sehr wichtig. Deshalb sind wir dankbar für diesen Einsatz und freuen uns über jeden, der seine Unterstützung anbietet, das Leben der Senioren angenehmer und abwechslungsreicher zu gestalten.“ Er hätte da noch weitere Ideen, meint der Heimleiter und träumt beispielsweise von einer tüchtigen Hausfrau, die mal mit seinen Schützlingen Kuchen oder Plätzchen bäckt …

 

Renate Steinhorst